Der Deutsche Alpenverein e.V. (DAV) ist die größte nationale Bergsteigervereinigung weltweit und anerkannter Naturschutzverband. Er setzt sich für den Erhalt der Naturwelt der Alpen und Mittelgebirge ein. Eine wichtige Aufgabe ist dabei der Brückenschlag zwischen dem Schutz der Natur und den Interessen der Bergsportler.

Spagat zwischen Infrastruktur in den Alpen und Erhalt der Umwelt

Die Energieversorgung von Berghütten spiegelt dies wider: Der Betrieb muss reibungslos und sicher laufen, damit die Bedürfnisse der Hüttengäste erfüllt werden. Und zugleich soll die Umwelt so wenig wie möglich durch Emissionen belastet werden.

Tyczka Energy hat zu diesem spannenden Thema mit Xaver Wankerl vom DAV gesprochen. Er ist dort verantwortlich für Hüttenbau und –technik.

Tyczka Energy: Wie viele Hütten hat der DAV?

Xaver Wankerl: Wir haben 323 öffentlich zugängliche Hütten, sowohl in den Alpen als auch in den Mittelgebirgen. Einige sind talnah, rund 120 mit einer Gehzeit von unter einer Stunde, der Rest ist weiter abgelegen und oft auch nicht mit Fahrzeugen anzufahren.

Darüber hinaus gibt es noch jede Menge Sektionshütten, die von den ca. 350 Sektionen in Eigenregie geführt werden. Viele davon sind Selbstversorgerhütten und nicht öffentlich zugänglich.

Tyczka Energie: Welche Aspekte müssen grundsätzlich bei Bau oder Sanierung von Hütten beachtet werden?

Xaver Wankerl: Da gibt es drei wesentliche Bereiche: die Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung und natürlich die Energieversorgung.

Das knappste Gut für Hütten ist Wasser. Hier sind wir oft auf Schmelzwasser aus Schnee sowie Regenwasser angewiesen. Über verschiedene Schritte wird es gesammelt, gelagert, zu Trinkwasser aufbereitet, als solches gespeichert und zur Verfügung gestellt. Für diese Schritte wird Strom benötigt.

Tyczka Energy: Was uns gleich zum Thema Energieversorgung bringt. Was ist für den Alpenverein die ideale Energie für Hütten?

Xaver Wankerl: Zwei wesentliche Punkte sind zu berücksichtigen: die CO2-Bilanz und dass der Energieträger nicht wassergefährdend ist.

Am liebsten wäre uns eine vollständig autarke Selbstversorgung unserer Hütten. Mit Sonnenenergie alleine wird das schwierig. Mit Wasserkraft können wir das auf einigen Hütten schon umsetzen. Das geht natürlich nur, wenn die Hütte an einem geeigneten Wasserlauf liegt.

Tyczka Energy: Welche Energiealternativen setzt der Alpenverein denn ein?

Xaver Wankerl: Biogene Energie steht an oberster Stelle und so versorgen wir schon über 60 Hütten mit Rapsöl. Das Technologie- und Förderzentrum TFZ, Straubing, bewertet Rapsöl als sinnvolle Kraftstoffalternative für den Antrieb von z.B. Blockheizkraftwerken. Und diese sind die Energiezelle auf den Hütten, denn sie produzieren gleichzeitig Strom und Wärme.

Rapsöl hat zusätzlich den Vorteil, dass es in Kanistern transportiert und gelagert werden kann. Und über die Materialseilbahn bequem zur Hütte gelangt. Es wird bei niedrigen Temperaturen zwar fest, doch die Technik ist so ausgereift, dass der Betrieb auch im Winter sichergestellt ist.

Tyczka Energy: Welche Rolle spielt Flüssiggas für die Energieversorgung von Berghütten?

Xaver Wankerl: Eine gar nicht so kleine Rolle, denn in den Küchen ist es sowieso schon oft im Einsatz. Meist als 33 kg Gasflasche, die gut mit einer Materialseilbahn transportiert werden kann. Wenn Flüssiggas schon in der Küche verwendet wird, liegt es nahe, auch das Blockheizkraftwerk damit zu betreiben. Hier kann dann der Energienachschub die Herausforderung sein, denn wie eingangs schon erwähnt: circa die Hälfte unserer Hütten sind nicht mit einem Tankfahrzeug erreichbar.

Auch unter Umweltgesichtspunkten ist uns Flüssiggas die liebste fossile Energie. Denn es hat sehr niedrige Emissionswerte und darf daher auch in Wasserschutzgebieten eingesetzt werden. Damit erfüllen wir unseren selbstgesetzten Anspruch nach größtmöglichem Umweltschutz.

Tyczka Energy: Das Thema Energienachschub ist ein wichtiges: Tyczka Energy hat dieses Problem mehrfach durch die Planung von möglichst großen Bevorratungsmöglichkeiten lösen können. Natürlich so, dass dabei das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt ist. Beispiel Alpe Hohenegg im Allgäu: Hier sind vier unterirdische Behälter eingelagert. So ist genug Energie vor Ort, um den sicheren Hüttenbetrieb für die Wintermonate sicherzustellen, in denen die Zufahrtsstraße witterungsbedingt nicht befahrbar ist.

Vielen Dank Herr Wankerl. Ihre Worte lassen erahnen, dass die Infrastruktur einer Berghütte alles andere als banal ist.

 

Lieber Leser, ich bin sicher, dass Sie bei Ihrem nächsten Bergausflug den Hüttenbetrieb mit etwas anderen Augen betrachten werden. Hier kommen Sie zu aktuellen Berichten über Berghütten, die wir mit Flüssiggas versorgen: Alpe Hohenegg im Allgäu und Schutzhaus Falkenstein im Bayerischen Wald.

Schöne Grüße

Stefan Hübner

Stefan Hübner

Geschäftsführer

 

Fotocredit: DAV/Edith Tembler